Kommunikationserkenntnisse diesen Jahres
Es gibt eine riesige Gruppe von Menschen, die "emotional kommunizieren". In deren Kommunikationskonzept sind Konventionen relativ festgeschrieben, die mir so fremd sind, dass ich das Gefühl habe, eine Fremdsprache zu lernen. Eine, die schwieriger ist als Japanisch.
Da wird, was in dem Dialekt, den ich spreche, als "passiv aggressiv" verdammt wird, als Höflichkeitsform verwendet. Wenn man sich tief genug hineindenkt, macht das sogar Sinn: Jemand hat mich verletzt. Ich kann ihn nun nicht direkt und klar darauf ansprechen, weil ich ihm so keine Chance auf eine ehrliche Antwort lasse, er "müsste" mir dann ja genüge tun. Wenn ich aber passiv agrressiv meine Verletztheit darstelle, bleibt demjenigen die Wahl, darauf einzugehen (wenn es z.B. nicht so gemeint war), oder es zu ignorieren. Genauso, wenn mich jemand zu weit treibt, zu viel von mir fordert oder erwartet. In dem Moment, wo ich das deutlich anspreche, habe ich einen Konflikt heraufbeschworen, und da ich ja "emotionaler Kommunikator" bin, bin ich höchstwahrscheinlich auch Konfliktvermeider. Auch das ist folgerichtig: Kritisierst du ein Verhalten von mir, so kritisierst du einen Teil von mir, der weit schließen lässt. Du kritisierst mich, meinen Charakter, ganz fundamental. Wird der Konflikt aber vermieden, und beide Kommunkationspartner kommunizieren "emotional", so wird passiv gefordert, passiv Erschöpfung signailisiert, passiv kritisiert und vielleicht gegebenenfalls heimlich eine Verhaltensweise verändert, woraufhin alle Beteiligten sich auch noch daran freuen können, dass es sozusagen von allein so gekommen ist. Das kostet Zeit und verlangt, dass beide den selben Kommunikationsmechanismen folgen, ist dafür aber wahnsinnig sanft zu den Nerven, Egos und wunden Punkten der Beteiligten.
Auch wird in dieser Art zu kommunizieren nicht für den anderen mitgedacht, nicht interpretiert und auch nicht impliziert. Das widerspricht sich scheinbar mit den oben genannten passiven Kommunikationsstrategien - aber nur scheinbar. Beim passiven Senden von Botschaften wird nicht der anderen Seite unterstellt, es wird nur der eigenen Botschaft eine weitere, emotionale Ebene hinzugefügt, die der andere gar nicht interpretieren muss, weil sie deutlich zu sehen ist. Beim Implizieren wird der Botschaft eine weitere, rationale Ebene beigefügt. Das kollidiert natürlich heftig, wenn "emotionale" und "rationale Kommunikatoren" aufeinander treffen.
Wenn ich also einem EK (emotional Kommunizierenden) weh tue, und der sich daraufhin in seinem Journal passiv verletzt zeigt, sehe ich als RK (rational Kommunizierender) durchaus den zeitlichen und thematischen Zusammenhang, kann aber nicht verstehen, wieso nicht sofort klar und deutlich darüber gesprochen wurde. Gegebenenfalls finden sich im Post vom EK auch noch Formulierungen, die im RK-Dialekt deutliche Implikationen beinhalten, die mich dann wiederum verletzen, was ich deutlich anspreche, wobei ich auch noch deutlich Verhalten kritisiere, was den EK natürlich endgültig vergrätzt.
Und auch auf einen Konflikt folgendes nicht-Kommunizieren wird in beiden Dialekten unterschiedlich interpretiert: Für den RK ist es: nicht-Kommunizieren. Punkt. Für den EK: Warten. Meist auf eine Entschuldigung oder doch wenigstens ein Näherkommen. Je länger das Schweigen anhält, umso mehr entspannt sich der RK, und umso mehr verspannt sich der EK.
Wenn in der Zeit aber auch noch Botschaften ausgetauscht werde, kann es noch schlimmer kommen. Der EK hält sich (verletzt, aber würdevoll) zurück, benutzt aber weiter RK-Implikationen (ohne sich dessen bewusst zu sein, da die Verhaltenskritik über die Sprachbarriere hinweg ja nie geklärt werden konnte), was den RK immer wieder kalt erwischt und verärgert.
Zwei schöne Beispiele, die ich erst jetzt so langsam durchsteige:
A postet etwas für B Verletzendes. (jaaaa, ich höre euch stöhnen, aber lest mal weiter.)
B beschwert sich, das könne A so nicht tun.
C springt A zu Hilfe und verkündet, A könne in A's Journal äußern, was A wolle.
B konstatiert, dass B sich dann ja wohl auch darüber beschweren dürfe.
C antwortet (vermutlich etwas perplex): "Natürlich kannst du das."
A und C sind EKs. A hat sich passiv aggressiv geäußert, wie das im Fall einer Verärgerung oder Verletztheit von A auch völlig legitim im Jargon der EKs ist. In B's Jargon dagegen ist das ein klarer Verstoß, B ist RK. B beschwert sich also. C springt A zu Hilfe, verwendet aber eine Formulierung, die nach RK-Implikation völlig selbstverständlich impliziert, dass B's Comment ein Verstoß wäre. Auf diese Implikation reagiert B, was C natürlich nicht nachvollziehen kann. Im Gegenteil, möglicherweise hört C sogar noch heraus (denn C ist vermutlich nicht doof), was für eine Implikation B gesehen hat. Da C diese Implikation aber nicht beabsichtigt, und nach EK-Regeln auch gar nicht verwendet hat, ist das in C's Augen eine Unterstellung von B.
Herrlich, oder? Mir macht sowas Spaß.
Noch schöner (da Auslöser für viel Leid und Tränen meinerseits dieses Jahr):
A ist Mod und rügt X, verwendet dafür mehrere gute Argumente.
B fragt nach, ob Argument c denn so stimmen könne.
*möööööp*
A ist RK und sucht sofort ganz instinktiv nach dem Sinn, Zweck und Ziel dieser Frage. Da ein vordergründiger (für den RK) nicht zu finden ist (denn die Antwort auf die Frage lässt sich mit zwei, drei Klicks mehr finden), wird sofort die hintergründige, nach RK-Regeln implizierte Absicht der Nachfrage gesehen: Schwächung der Argumentation und/oder Autorität von A. Eine solche Sub-Botschaft wäre nach beiden Regelwerken illegitim, nach dem EK-System aber auch völlig absurd. B wollte bloß nachfragen, Punkt.
In diesem unschönen Fall fauchte A B (nach RK System ja zu Recht) entrüstet an, woraufhin dann auch noch C B zu Hilfe sprang und B's Charakter verteidigte, den A gar nicht angegriffen zu haben glaubte. Bummm!
Oder auch immer wieder beliebt:
A lästert fröhlich über irgendetwas, z.B. eine Fernsehserie, führt dabei diverse Gründe auf, warum diese großer Schwachsinn ist. A ist, das merkt man jetzt schon, RK.
B, gut mit A befreundet, ist schockiert. B ist, sehr gut aufgepasst, EK, sieht also in dem Verriss von etwas, das B sehr mag, auch eine Kritik an B's Charakter, denn wer etwas scheiße findet, tendiert auch dazu (so steht es jedenfalls im EK-Gesetzbuch), diejenigen, die das toll finden, für etwas beschränkt zu halten.
Was A natürlich nie in den Sinn gekommen wäre.
B commentiert also, führt dabei ziemlich emotional zu jedem von A's vorgebrachten Punkten B's Meinung aus. Im RK-Dialekt greift B damit aber A's Meinung an, und zwar als solche.
Etc., etc., pp.
Und all das habe ich nun verstanden. Langsam versucht sich mein rationales Kommunizieren diesen Erkenntnissen anzupassen. Nur wie ich an die EK's meiner Umgebung rankommen soll, weiß ich immer noch nicht. Denn dieser Post ist ja auch schon so RK wie es nur geht. Wie erklärt man jemandem, der EK ist, so etwas? Wie kritisiert man einen EK, ohne ihn zu verletzen, was den Dialog gleich knicken würde, aber auch ohne passiv aggressiv zu kommunizieren?
Wie macht man einem EK klar, dass auch RK's Gefühle haben, die möglicherweise schwer verletzt wurden? Wenn man es einfach ganz RK äußert, wirkt das schnell ich-bezogen und selbstmitleidig. Im Grunde ist jede Botschaft, die aussagt: "Ich bin verletzt" genau das: ich-bezogen und selbstmitleidig. Nur eben: legitimerweise. Wird das passiv geäußert, so ist das natürlich subtiler und damit weniger negativ sichtbar. Wird es klar und deutlich gesagt, versteht das vielleicht noch ein RK, ein EK scheitert daran.
Aber ich will nicht passiv aggressiv kommunizieren (*maul*)...
Ganz entzückend ist natürlich, wenn einem dann in einer Community (welcher wohl) ein Arschloch unterkommt, dass impliziert, um zu provozieren, und das bei RK's und EK's der Community gleichermassen, und man selbst dann so auf dem "Wir müssen alle reden"-Trip ist, das man dem viel zu lange antwortet. Wobei ich nun von einem EK gehört habe, der nicht direkt provoziert worden war, und das dementsprechend auch nicht so schlimm fand. Ganz EK meinte er, man solle das Arsch mal fragen, ob er irgendwie streitlustig gewesen wäre. All mein RK-tum schüttelt sich dabei. *lach* Ich fürchte, dieser EK betrachtet das Arschloch, als wäre auch dieses ein EK, aber ich habe den Verdacht, es ist ein RK, und zwar ein böswilliger RK.
Denn natürlich können Implikationen und passive Aggressivität auch böswillig verwendet werden. Manche RK's implizieren böswillig als Sport. Manche EKs kommunizieren passiv aggressiv, um sich nicht nur vor Verletzungen etc. zu schützen, sondern auch, um Arbeit oder Veränderungen aus dem Weg zu gehen. Lustigerweise ist passiv aggressives Kommunizieren bei den RK's und Implizieren bei den EK's jeweils besonders verpönt...
Und die Ärsche beider Seiten, die jegliche Konventionen für illegitime Botschaften verwenden, die sorgen dafür, dass RK's und EK's sich gegenseitig kaum guten Willen unterstellen können und dazu neigen, die jeweils andere Truppe sofort für böswillig zu erklären. Was das Ganze nun wirklich nicht einfacher macht.
Zusammenfassend:
| emotionale Kommunikation | rationale Kommunikation |
| - passiv aggressiv ist höflich, vermeidet offenen Konflikt - offener Konflikt ist zu vermeiden, denn jegliche Kritik betrifft immer den ganzen Kritisierten - es werden emotionale Subbotschaften verwendet und gesehen - Kommunikation um der Kommunikation willen | - passiv agrressiv ist unhöflich, da es die Möglichkeit zum offenen Konflikt nimmt - offener Konflikt ist zu suchen, denn mit Kritik lässt sich umgehen, mit andauernder, emotionaler Betroffenheit nicht - es werden rationale Subbotschaften verwendet und gesehen - Kommunikation hat einen bestimmten Sinn, einen Zweck, eine Absicht, ein Ziel. |
... ich wette, das hat irgendjemand Berühmtes schon längst so irgendwo geschrieben und veröffentlicht. *seufz*

no subject
Das interessanteste meiner Meinung nach an EKs ist eigentlich, daß die Aussagen durchschleifen, egal worum es geht. Das heißt, das sie (wie du in einem Beispiel von dir aufführst), Aussagen eines RK über einen Aspekt ihres Handelns bis zu sich selbst zurückleiten. Also zum Beispiel konstruktive Kritik an einer Zeichnung (zum Beispiel über Proportionsverhalten, oder Bildaufbau) so verstehen, daß sie als absolute Kritik an der Fähigkeit des EK verstanden wird, zeichnen zu können. Das führt zu absurden Situationen (weil ja das Reaktionsverhalten der Kommunizierenden unterschiedlich ist), daß man Wochen oder gar Monate später in einem Nebensatz erfährt, das man als RK den EK ja als vollkommen unfähig bezeichnet hätte, und nach mehrmaligem nachhaken erst die Geschichte drumherum langsam zu verstehen beginnt.
Was übrigens auch eine Spezialität von EKs ist. Sie erwarten von ihrem Gegenüber, Subtext (der nicht vorhanden ist), zu verstehen und korrekt zu interpretieren. Das heißt, man erhält als RK von einem EK das Signal 'Du hast dich falsch verhalten'. Punkt. Konkret bedeutet das aber 'Du hast dich falsch verhalten. Ich werde dir nicht sagen, wo, wann und wie, denn das mußt du selbst wissen, denn du bist der Täter. Gleichzeitig erwarte ich von dir, sofort eine Korrektur deiner Aussage/Handlung vorzunehmen, und werde, falls du nicht schon beim ersten Versuch den von mir kritisierten Aspekt triffst, dich bis auf weiteres ignorieren'. Gruselig. Schön sind auch Aussagen in der Form 'Sprich mit mir' eines EK, wo der Subtext dann im Prinzip lautet 'Aber nur in exakt der von mir gewünschten Form, und nein, ich gebe dir keine Hilfestellung, welche Form ich erwarte. Meine Erwartung kann ich übrigens je nach Stimmung, Tageszeit, Wetter und Schaltjahren ändern'.
Ich habe zumindestens die Erfahrung gemacht, daß es mir als RK extrem schwer fällt, mit Eks auf gewohnte Weise zu kommunizieren, weil die sonst eigentlich gut funktionierende rationale Argumentation vollkommen versagt. Ein begründeter Fakt kann von einem EK mit einem einfachen 'Das ist doch egal, mir geht es um...' weggewischt werden, und gleichzeitig wird eine konkrete Aussage gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Ist wirklich schwer, da Auseinandersetzungen zu führen.
no subject
EKs müssten aber emotional nachvollziehen können, was ein RK denkt, um es zu begreifen. Und das geht schon aus Prinzip nicht.
Ich meine, ich bin RK aus Überzeugung. Ich bin aber auch der Meinung, dass EKs nicht böswillig sind, nicht blöd und auch sonst nicht feige oder so (also, jedenfalls nicht, weil sie EK wären). Natürlich geht mit EK-tum häufig ein ganzer Batzen anderer Mechanismen einher, labiles Selbstbewusstsein, z.B.. Das läuft aber parallel. Passt vielleicht gut zusammen, bedingt sich aber nicht gegenseitig. Und ich bin der Meinung, dass EKs und RKs sich gegenseitig tolerieren sollten. Aufeinander zugehen sollten.
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Oh, EKs sind sicherlich genauso wie RKs, nur die Ereignishorizonte, die jeder für sich wahrnimmt, werden inkompatibel sein. Was bei einem RK als begründete Aussage ankommt, mag ein EK als 'laut gedacht' wahrnehmen, und was ein EK als Begründung tätigt, mag ein RK als 'du bist doch blöd, man' verstehen. Daher finde ich eigentlich auch, aufeinander zugehen ist fast unmöglich. Ein RK kann sich nur auf einer rationalen Ebene einer anderen Position annähern, und die wird ein EK nie bieten. Umgekehrt wird ein EK ohne die emotionalen Zwischentöne sicher keinen Zugang zu einer anderen Ansicht finden, und die kann man leider nicht 'generieren'.
Was funktioniert (zumindestens aus meiner Erfahrung) sind Dolmetscher, also Kommunikation über dritte. Durch das stille Post Verfahren wird das ganze Kommunikationsgebahren abgeschliffen, und nur der Inhalt kommt an. Der dritte sollte aber beide Beteiligte gut kennen, um verstehen zu können, was jeweils der Kernpunkt der zu übermittelnden Aussage ist, und wie man den dem jeweils anderem am besten beibringt.
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Ich bin aber auch Idealist und vertrete die Meinung, das jeder alles lernen kann, wenn er nur will. ^_^;
Ich hatte bisher auch schon oft das Gefühl, dass RKs etwas auf EKs herabschauen. Jedenfalls habe ich das selbst früher häufig gemacht. Dafür bezeichnen EKs wiederum RKs häufig als gefühlskalte Egomanen. :D
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..wahnsinnig sanft zu den Nerven, Egos und wunden Punkten der Beteiligten.
Ich habe auch schon einige Begegnungen mit EKs gemacht nur bin ich leider nicht so nett wie du und überlege mir, wie ich konfliktfrei mit ihnen umgehen kann. Meiner Meinung nach sind EKs in der realen Welt da draußen nämlich auf verlorenem Posten wenn sie verlangen, dass man ewig auf ihre zarten Seelen Rücksicht nimmt.
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Ich hab nicht wirklich was hinzuzufügen, aber ich fand es hochinteressant zu lesen! Nicht unbedingt, weil es mir jetzt völlig neu war, aber weil ich mir das nie so vor Augen geführt habe. Also, ich habe beim Lesen die ganze Zeit genickt und gedacht "Jo, das ist mir auch aufgefallen" oder "Jo, so läuft das ab", aber ich hätte das nie so aufschlüsseln können.
Ich glaube, ich liege irgendwo dazwischen; teilweise stimme ich eher mit dem emotionalen Teil überein, teilweise aber auch eher mit dem rationalen. Ich glaube, ich bin ein OK, ein opportunistischer Kommunikator, ich nutze mal das und mal das, wie's gerade besser zu passen scheint...
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Menno, ich will comments editieren können.
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Die Benennung "emotional" und "rational" für die beiden Kommunikationsstile gefällt mir nicht so. Vielleicht würde ich eher "defensiv" und "offensiv" sagen. Das scheint mir nämlich charakteristischer zu sein als das Emotionale und Rationale (das auf beiden Seiten in unterschiedlicher Ausprägung mit hineinspielt - du kannst auch als RK sehr emotional reagieren oder als EK durchaus rational vorgehen). Das, was du als EK bezeichnest, ist "defensiv", weil es im Großen und Ganzen auf die Erhaltung eines Status quo und die Vermeidung eigener "Verluste" gerichtet ist.
Was die verschiedenen Ebenen des Verstehens angeht, wie wäre es mit Schulz von Thun (http://www.amazon.de/Miteinander-reden-Friedemann-Schulz-Thun/dp/3499622246/sr=8-1/qid=1164495642/ref=pd_ka_1/028-6350130-4974151?ie=UTF8&s=books) zur weiteren Vertiefung?
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Vielen Dank für den Tip! Das les ich mal.
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Was kein Vorwurf sein soll (ich finde das alles viel zu interessant).
Aber läuft letztendlich denn nicht alles darauf hinaus, daß Menschen nunmal sehr verschieden sind und durch verschiedene erlernte (oder auch nicht erlernte) Verhaltensweisen oft kontraproduktiv handeln? Ich zum Beispiel habe durch vergangenheitsbegründete Sachen sehr oft das Gefühl (haha, siehe oben), daß ich angegriffen werde, wenn jemand agressiv (nicht im negativen Sinne) auf mich zugeht. Daraufhin versuche ich, mit Zeichen dies zu signalisieren. Wenn man dein Modell sieht, dürfte nun ein RK dies nicht verstehen und einfach weitermachen, was im schlimmeren Falle darauf hinausläuft, daß der EK irgendwann um sich schlägt, was der RK nicht verstehen kann, da seiner Meinung nach der EK keine Signale gegeben hat, die zeigen, daß er dies nicht mag. In Wirklichkeit allerdings hat der RK einfach den vom EK gesendeten (oder encodierten) Zeichensatz nicht als solchen erkannt und verstanden, genausowenig wie der EK den vom RK (für jeden RK klaren) Zeichensatz nicht erkannt hat. Im Endeffekt läuft also alles auf einen fehlenden, gemeinsamen Zeichensatz hinaus..
Die Frage ist nun, kann ein EK zu einem RK werden und ein RK zu einem EK? Theoretisch müsste das ja möglich sein? Und ist EK/RK sein ein erlerntes Verhalten?
Sehr sehr interessant das ganze.
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Ja, na klar, ich bin ja auch RK und verstehe EK dementsprechend schlecht. :D
Im Endeffekt läuft also alles auf einen fehlenden, gemeinsamen Zeichensatz hinaus..
Sehr richtig. Es ist jedoch nicht so, dass man den Zeichensatz der jeweils anderen Seite einfach so erlernen könnte, da man für gewöhnlich den jeweils anderen Zeichensatz wirklich grundsätzlich für *falsch* hält.
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Wenn man den Zeichensatz nicht erlernen könnte, dann würde das bedeuten, daß RK und EK niemals die Möglichkeit haben, einheitlich zu kommunizieren? Ich glaube eher, daß es für die beiden Gruppen prinzipiell möglich ist, den Zeichensatz der anderen Gruppe verstehen zu lernen. Vielleicht nich ERlernen, aber verstehen bzw nachvollziehen und deswegen angemessen darauf reagieren. Natürlich kann kein Apfel eine Orange werden und umgekehrt ;)
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Ich mein. Was tue ich denn hier gerade? ^_~
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Wenn du das weiter mit solchem Elan lernst, hast du sicher auch Erfolg ;)
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Was mir als kleiner Zusatz für den Umgang mit EKs noch eingefallen ist, ist vielleicht, daß man versuchen könnte, in den Formulierungen, die man benutzt sehr viel "das ist meine Sichtweise..", "so sehe ich das" etc benutzt, um zu zeigen, daß man auch nicht unfehlbar ist und vor allem nicht die allgemeingültige Wahrheit vertritt. Und vielleicht auch betont, daß jeder das Recht auf seine eigene Meinung hat, auch wenn sie nicht übereinstimmen. Zusätzlich auch noch, daß man wirklich auf Formulierungen achtet (ist schriftlich leichter als mündlich, klar) und Sarkasmus vermeidet.
Mir ist zumindest aufgefallen, daß mir das hilft, wenn RKs mit denen ich umgehe, das tun, und mir (und damit logischerweise auch der anderen Seite) Kommunikation wesentlich leichter fällt und angenehmer ist.
Auf der anderen Seite wiederum kenne ich einige wirklich Hardcore-EK, und damit umzugehen fällt sogar mir als eigentlich doch eher EK (der sich Mühe gibt, sich inzwischen eine gesunde Portion RK anzueignen) schwer, ehrlich gesagt.
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Mein Paps ist von Beruf Chef und hat mir immer all seine Erkenntnisse von Kommunikationstrainings und Seminaren mitgeteilt. Der forscht auch privat ein wenig in die Richtung. Von daher beherrsche ich diese Grundlagen schon ganz gut, auch z.B. so zu sprechen, das man von sich ausgehend argumentiert. "Mein Eindruck ist, dass..." statt "Du machst immer...."
Das muss man wohl noch etwas bewusster machen, ja.
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Natürlich erkenne ich mich im Text/in den Beispielen wieder und ganz zweifellos bin ich sicher ein Hardcore EK ;) Auf jeden Fall, ich bemüh mich ja auch immer jeden zu verstehen und ich bin ja ein definitiver Fall von 'im Zweifel für den Angeklagten', siehe dein Beispiel oben, wegen Arschloch und so. Ich gehe vermutlich zu häufig von den guten Absichten anderer aus und tu mich schwer damit 'einfach' zu erkennen, das jemand wirklich einfach nur Spaß dran hat andere zu verärgern.
Auch wenn es in den letzten Jahren vermutlich keine so großartig erkenntbaren Fortschritte gab, wenn es um die Verbesserung kommunikativer Mittel ging, ich bemühe mich weiter. Zwar vermutlich weiter erfolglos, aber... versuchen kann mans ja. Wie du selbst sagst, die Sprache zu lernen ist sicher schwieriger als Japanisch zu lernen. Vermutlich weil Japanisch eben doch 'nur' auf mehr oder weniger logischen & festen Regeln basiert und RK und EK sich nicht nur grundsätzlich unterscheiden sondern auch von Person zu Person und eben beeinflusst, bedingt sind durch persönliche Erlebnisse, Aufwachsen und Erfahrungen. Für sowas gibt es keinen Duden und kein Synonymewörterbuch oder Lexikon.
Naja... ich finde die Analyse sehr gut, ich wünschte, darüber hinaus gäbe es noch eine einfach zu befolgende (!) Anleitung. Leider bin ich davon überzeugt, sowas ('einfach') kann gar nicht existieren. Sonst wärs ja leicht. ;)
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Aber hier ist es schon wieder: Ein EK, der sich um Vermittlung bemüht, mir aber nicht sagen (oder sagen kann?) wie ich an EKs rankommen kann.
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Es gibt Situationen, in denen ich auch EK bin, ganz und gar (oder zumindest zu über 90%). Das weiß ich mittlerweile, so hatte ich Gelegenheit, in rationalen Momenten darüber nachzudenken, wie man dann als RK mit mir umgehen sollte/kann. Mein Freund zum Beispiel ist fast gänzlich RK. (Soll ja angeblich typisch männlich sein, dass man sehr problemlösungsorientiert und rational an etwas herangeht.) Ich habe also heraus gefunden, dass ich in solchen Momenten erstmal Zuspruch brauche. Das Gefühl, dass mein Gegenüber auf meiner Seite ist und nicht gegen mich. Wenn ich mich dann gut aufgehoben fühle, kann ich auch wieder an Lösungen arbeiten oder zumindest offen zuhören. Dass ich die gehörten Gedanken annehme, kann dann je nach dem auch noch mal eine Weile (Minuten, Stunden, Tage) dauern.
Wichtig scheint mir die Idee: Wir sind ein Team mit einem gemeinsamen Problem, das wir gemeinsam lösen wollen.
In einem Gespräch sollte man ja immer ein Team mit einem wie auch immer gearteten gemeinsamen Interesse (und wenn es die pure Verständigung ist) sein. Das geht aber, gerade bei EK, glaube ich, manchmal unter.
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Ist schwierig, so eine Basis aufzubauen, wenn man sich vorher schon in die Haare geraten ist, sich gegenseitig schon verletzt hatte, oder der RK kaum Geduld aufbringt... aber prinzipiell schonmal sehr wertvoll!
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Klar ist so was immer schwierig. Man verlangt da sehr viel vom Anderen. Aber das gilt für beide Seiten, denke ich, denn der EK soll ja dann auch was einsehen und rational denken. ;-)
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Was Vanita sagt stimmt aber schon sehr. Ich hab vor ner Weile mal einen Eintrag in meinem LJ gemacht, dass mich das mit dem Produktdesign hier grade so furchtbar ankotzt und keine Lust und ich bin doch kein Produktdesigner und blabla. Darauf hatte niemand reagiert, was ich schon schade fand, weil ich ein liebes Wort ganz gut hätte brauchen können. Ich hab dann jemanden (ist mal egal wen) darauf angesprochen, dass da niemand was zu sagt und wie schade und überhaupt. Darauf schrieb mir die Person doch einen Kommentar, der total lieb gemeint war und ich schaffe das schon irgendwie und so - und dann stand da noch dabei, dass 'sie (die person) schon immer gesagt hatte, dass ich ja kein designer bin'. Was im Grunde nicht verkehrt ist - ich wäre evtl. für andere Jobs besser geeignet, vielleicht wäre es tatsächlich besser, ich würde nicht studieren, weil ich selbst nicht davon überzeugt bin, dass ich später mal Miss Designerin sein will, sondern lieber ausführe etc (generell wäre eine andere Richtung vielleicht besser). Sache ist, ich habe kein klares Ziel, was blöd ist, sehr blöd, am blödesten für mich, aber ich kann mich nicht einfach hinsetzen und es mal eben rausfinden und dann den Sinn des Lebens wissen und wo ich hin will etc. Deshalb gehe ich den Weg, den ich eben gehe und sage mir immer wieder, er ist im Moment der Beste, denn jeder andere könnte genauso falsch sein und ich bin ja auch nicht schlecht in dem was ich tue. Nunja, lange Rede, kurzer Sinn, typisch EK, ich wollte Aufmunterung, so wie das doch jeder manchmal braucht, aber ich wollte doch nicht hören, dass ich hier falsch bin. Auch wenn es stimmt - es ist mir ja klar, aber wenn ich eins nicht kann oder will, dann ist es jetzt so und hier alles hinwerfen und noch mal bei null irgendwo anfangen, ohne die Garantie dass es dann besser ist. Das glaube ich nämlich nicht, dass es was gibt, was essentiell besser ist.
Kurzes Drama, Komment wurde (nicht von mir) gelöscht, ich hab versucht mich zu erklären, aber ob es geklappt hat weiß ich nicht. Es war ja nie verletzend gemeint gewesen. Genauso wie ich niemanden verletzen will, auch wenn ich dauernd irgendwelche Tipps und Hilfestellungen gebe, die mal leicht als Kritik aufgefasst werden.
Ich glaube das Problem ist auch, wie du selbst erwähnst, wie die gemeinsame Vergangenheit ist und wie man mit Verletzungen umgeht, die schon passiert sind. Es ist nur eine Theorie, aber ich glaube ich neige sehr stark dazu, Verletzungen zu vergessen, zu verdrängen und zu verzeihen. Wenn mir jemand weh getan hat, gebe ich ihm grundsätzlich immer und immer wieder eine Chance, lege mir Erklärungen zurecht die den anderen 'entlasten' ("Hatte nen schlechten Tag"). Auch wenn ich anfangs eingeschnappt, sauer, traurig, whatever bin - man lasse mir etwas Zeit und ich bin wieder auf einer harmonischen Basis. Nur funktionieren andere eben nicht so, wenn ich sie verletze (immer unbeabsichtigt, ich bin harmoniesüchtig und will wie der Großteil der Menschheit einfach nur liebgehabt werden, die meisten Verletzungen basieren wohl wenn dann aus falscher Kommunikation, bzw. schlichter unfähigkeit meinerseits) beeinflusst das die Art wie sie mit mir umgehen, wie sie meine Aktionen und Reaktionen und meine Worte bewerten (Da werden dann sachen auf die Goldwaage gelegt, die ohne die vorherige Verletzung keine beachtung gefunden hätten). Und das ist so eine Sache, die mich so essentiell von anderen unterscheidet, dass auch ich sie kaum nachvollziehen kann. Ich kann auch nicht sagen, was besser ist. Natürlich denke ich oft mein Weg wäre der bessere, aber so wie ich daran scheitere Konflikte zu suchen, um Verbesserungen herbeizuführen, scheitern andere sicher auch daran immer und immer wieder Verständnis zu zeigen.
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(und das steht jetzt in einem extra comment, weil der comment sonst 4303 characters long gewesen wäre und er nur 4300 characters long sein darf, hahaha!)
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Aber ich habe auch den Eindruck, dass EKs bei Dir sehr negativ wegkommen. Ein bisschen als sei RK-Sein der Ideal-Zustand und EK-Sein eine Schwäche. Ich finde zwar selber die Kommunikation mit RKs auch meistens leichter, aber mit solchen Urteilen (auch impliziten ;-) sollte man vorsichtig sein.
Ich glaube, ich habe den Vorteil, dass ich von beiden Seiten was habe. Meist kann ich daher Menschen aus egal welchem Lager verstehen. Aber selbst verständlich machen kann ich mich nicht immer.
Was dafür ganz wichtig ist, sage ich immer wieder, und Du hast es ja auch geschrieben: vom guten Willen des Anderen auszugehen. Wenn das nicht gegeben ist, braucht man im Grunde gar nicht diskutieren.
Ich steck Deinen Eintrag mal in meine Erinnerungen. :-)
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Wo liest du das denn raus? ó_ò
Wobei mir als RK ja eine Bemerkung wie "mit solchen Urteilen (auch impliziten ;-) sollte man vorsichtig sein." fürchterlich unangenehm aufstößt. Speziell, weil ich genau darüber und deswegen gerade einen so langen Post verfasst habe. ;)
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Ziemlich frustrierend.
Wahrscheinlich liegt's hier bloß am "sogar", was? Gnagnagnagnagna. >_
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Aaahh, jetzt blicke ich mehr durch das durch, was Du mir schon am Telefon gesagt hast. Ich denke, Du hast das sehr richtig beobachtet und glaube, ein 99 - 99,9 %iger RK zu sein. Deshalb kann ich Dir zu EK-Dialekt nichts sagen, sondern stehe immer noch staunend davor.
Auf jeden Fall finde ich, daß Dein Vorhaben, den EK-Dialekt besser verstehen zu wollen und wieviel Mühe Du Dir damit gibst, Dich ehren. Viel Erfolg dabei und viel Kraft dafür!
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