Vielen lieben Dank für alle Meinungen und Kommentare zu meinem letzten Eintrag. Das hat mir genau die Fragen zu klären geholfen, mit denen ich zu kämpfen hatte.
Und: Sol Steins "Aufzucht und Pflege eines Romans" ist tatsächlich sogar noch besser als sein Buch "Über das Schreiben".
In meinem letzten Eintrag hatte ich zwei Projekte vorgestellt.
Das erste, "Lügen", ist ein Roman, der die Geschichte meiner Familie mütterlicherseits über vier Generationen verfolgt. Den geposteten Anfang habe ich nach der oben genannten Lektüre drei Tage lang bearbeitet, bevor er mir wirklich gefiel.
In diesen Roman kann ich alles einfließen lassen, was ich schon über die Geschichte meiner Urgroßmutter, meiner Großmutter, meiner Mutter und mir weiß, und alles, was ich noch herausfinden kann. Noch leben viele Großtanten und Onkels, noch sind viele Anekdoten irgendjemandem im Gedächtnis geblieben.
Ich kenne den roten Faden, die Hauptaussage, die ich treffen will und die Bedeutung dieses Buches für mich und meine Zeit.
Aber ich müsste eben meine Verwandten befragen, "Zeugenaussagen" sammeln und viel Zeit investieren, bevor ich überhaupt mit dem Schreiben anfangen kann. Das ist an sich nicht schlimm, beinhaltet aber die Gefahr für mich, zu sehr in der Vergangenheit zu leben.
An sich ist es aber das logischere, "einfachere", vielversprechendere Projekt. Und es besteht die Hoffnung, dass ich damit tatsächlich Vergangenheitsbewältigung betreiben kann, für mich, die ich sowieso nur schwer von der Vergangenheit loskomme, aber auch für alle Frauen meiner Familie, die immer wieder die gleichen Fehler begehen.
Das zweite, "Traidis", begleitet mich nun schon seit über 10 Jahren, und ich kenne die Geschichte und all ihre Spielarten in und auswendig. Die geposteten Zeilen sind gut 2-5 Jahre alt und einfach drauf los geschrieben. Ich müsste sortieren, entscheiden und im vorraus streichen, dann könnte ich sofort neu loslegen. Aber darin liegt auch die Crux. Ich müsste mich entscheiden. Stirbt dieser Charakter nun am Ende oder nicht. Kriegt sich jenes Pärchen oder nicht. Ich würde die Geschichte festlegen und sie mir von der Seele schreiben, und im Grunde... würde ich sie dann wahrscheinlich entsetzlich vermissen.
Mal abgesehen davon, dass Fantasy / Science Fiction trotz allem trivialer ist als das, was ich als "Hohe Literatur" einschätzen würde.
Habe ich diese Geschichte satt genug, um sie endlich zu bannen, aus meinem Kopf zu verbannen? Fast.
Und leider habe ich schon so oft angefangen, diesen Roman zu schreiben, dass es mir sehr schwer fallen wird, das Ganze noch einmal von vorne zu beginnen, und zwar in der handwerklichen Qualität, die mir Sol Stein beigebracht hat.
*seufz* Also gut. Es nützt wenig, immer wieder davon zu träumen, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, meine Romane für immer aus Luciens Bibliothek zu entfernen und tatsächlich etas Großes zu schaffen.
Ich fürchte, ich muß meine Mutter anrufen.
Thank you all very much for the comments and opinions on my last entry. It helped to solve all those problems I am fighting with these days.
And: Sol Steins "How to grow a novel" is even better than his "Stein on writing".
I presented two projects in my last entry.
The first one, "Lies", is a novel which follows the history of the women of my family over four generations. I worked on the posted beginning four three days after reading Stein, until it sarisfied me. I can let everything I know about my great-grandmother, my grandmother, my mother and me go into it. Also everything I can still find out. There are still some grandaunts and granduncles living, and there are still some anecdotes left in their minds.
I know my red thread, the meaning and importance of this novel for myself and my time.
But I'd have to ask my large family, I'd have to collect their information and invest a lot of time before I'D even be able to start. That's not so bad, but there is a danger for myself to fall too deeply into the past.
Anyway, it's the more sensible, "simpler", promising project. And there is hope, to come to terms with the past. For myself, and I really have problems to let the past lie in peace, and even for the women of my family, who stumble over the same stones time and time again.
The second one, "Traidis", has been in my head for now more than ten years and I know the story inside out. The postet part is 2-5 years old now, and just written without much thought behind it. I'd have to sort trough teh possiblities, decide and dismiss, then I could start again instantly. But that's a problem in itself. I'd have to decide. Does this character die in the end or not. Do those two live happily ever after or not. I'd have to pin down the story and let it go and... I'd really miss it. Not to forget that fantasy and science fiction isn't as much art for me then "high literature".
Am I enough fed up with it to let it go forever? Nearly.
To complicate things: I started so often to write this novel, that it would be really hard to start over on the new higher level that Sol Stein taught me.
*sigh* Oh well. Not much sense in whining about wanting to make money with writing, to take those novels from Luciens Library forever and create smething big.
I fear I have to call my mother.
Und: Sol Steins "Aufzucht und Pflege eines Romans" ist tatsächlich sogar noch besser als sein Buch "Über das Schreiben".
In meinem letzten Eintrag hatte ich zwei Projekte vorgestellt.
Das erste, "Lügen", ist ein Roman, der die Geschichte meiner Familie mütterlicherseits über vier Generationen verfolgt. Den geposteten Anfang habe ich nach der oben genannten Lektüre drei Tage lang bearbeitet, bevor er mir wirklich gefiel.
In diesen Roman kann ich alles einfließen lassen, was ich schon über die Geschichte meiner Urgroßmutter, meiner Großmutter, meiner Mutter und mir weiß, und alles, was ich noch herausfinden kann. Noch leben viele Großtanten und Onkels, noch sind viele Anekdoten irgendjemandem im Gedächtnis geblieben.
Ich kenne den roten Faden, die Hauptaussage, die ich treffen will und die Bedeutung dieses Buches für mich und meine Zeit.
Aber ich müsste eben meine Verwandten befragen, "Zeugenaussagen" sammeln und viel Zeit investieren, bevor ich überhaupt mit dem Schreiben anfangen kann. Das ist an sich nicht schlimm, beinhaltet aber die Gefahr für mich, zu sehr in der Vergangenheit zu leben.
An sich ist es aber das logischere, "einfachere", vielversprechendere Projekt. Und es besteht die Hoffnung, dass ich damit tatsächlich Vergangenheitsbewältigung betreiben kann, für mich, die ich sowieso nur schwer von der Vergangenheit loskomme, aber auch für alle Frauen meiner Familie, die immer wieder die gleichen Fehler begehen.
Das zweite, "Traidis", begleitet mich nun schon seit über 10 Jahren, und ich kenne die Geschichte und all ihre Spielarten in und auswendig. Die geposteten Zeilen sind gut 2-5 Jahre alt und einfach drauf los geschrieben. Ich müsste sortieren, entscheiden und im vorraus streichen, dann könnte ich sofort neu loslegen. Aber darin liegt auch die Crux. Ich müsste mich entscheiden. Stirbt dieser Charakter nun am Ende oder nicht. Kriegt sich jenes Pärchen oder nicht. Ich würde die Geschichte festlegen und sie mir von der Seele schreiben, und im Grunde... würde ich sie dann wahrscheinlich entsetzlich vermissen.
Mal abgesehen davon, dass Fantasy / Science Fiction trotz allem trivialer ist als das, was ich als "Hohe Literatur" einschätzen würde.
Habe ich diese Geschichte satt genug, um sie endlich zu bannen, aus meinem Kopf zu verbannen? Fast.
Und leider habe ich schon so oft angefangen, diesen Roman zu schreiben, dass es mir sehr schwer fallen wird, das Ganze noch einmal von vorne zu beginnen, und zwar in der handwerklichen Qualität, die mir Sol Stein beigebracht hat.
*seufz* Also gut. Es nützt wenig, immer wieder davon zu träumen, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, meine Romane für immer aus Luciens Bibliothek zu entfernen und tatsächlich etas Großes zu schaffen.
Ich fürchte, ich muß meine Mutter anrufen.
Thank you all very much for the comments and opinions on my last entry. It helped to solve all those problems I am fighting with these days.
And: Sol Steins "How to grow a novel" is even better than his "Stein on writing".
I presented two projects in my last entry.
The first one, "Lies", is a novel which follows the history of the women of my family over four generations. I worked on the posted beginning four three days after reading Stein, until it sarisfied me. I can let everything I know about my great-grandmother, my grandmother, my mother and me go into it. Also everything I can still find out. There are still some grandaunts and granduncles living, and there are still some anecdotes left in their minds.
I know my red thread, the meaning and importance of this novel for myself and my time.
But I'd have to ask my large family, I'd have to collect their information and invest a lot of time before I'D even be able to start. That's not so bad, but there is a danger for myself to fall too deeply into the past.
Anyway, it's the more sensible, "simpler", promising project. And there is hope, to come to terms with the past. For myself, and I really have problems to let the past lie in peace, and even for the women of my family, who stumble over the same stones time and time again.
The second one, "Traidis", has been in my head for now more than ten years and I know the story inside out. The postet part is 2-5 years old now, and just written without much thought behind it. I'd have to sort trough teh possiblities, decide and dismiss, then I could start again instantly. But that's a problem in itself. I'd have to decide. Does this character die in the end or not. Do those two live happily ever after or not. I'd have to pin down the story and let it go and... I'd really miss it. Not to forget that fantasy and science fiction isn't as much art for me then "high literature".
Am I enough fed up with it to let it go forever? Nearly.
To complicate things: I started so often to write this novel, that it would be really hard to start over on the new higher level that Sol Stein taught me.
*sigh* Oh well. Not much sense in whining about wanting to make money with writing, to take those novels from Luciens Library forever and create smething big.
I fear I have to call my mother.
no subject
Date: 2005-04-09 09:37 am (UTC)Aber warum deine mutter anrufen?
no subject
Date: 2005-04-09 01:17 pm (UTC)no subject
Date: 2005-04-09 02:47 pm (UTC)no subject
Date: 2005-04-10 11:06 am (UTC)Was Traidis angeht, bin ich natürlich inzwischen auch vorbelastet - natürlich möchte ich die ganze Geschichte, oder eine davon, gern lesen. Hah, das Charaktersterben-, Pärchen- usw Problem kommt mir so bekannt vor... mein einziger langatmiger eigener Geschichtenversuch ist genau daran gescheitert. Naja, und daran, dass ich die Geschichte dann, wenn ich ihren "Eigenverlauf" nicht mochte, in eine Richtung gezwungen habe, die mir besser vorkam, die sich aber im Nachhinein immer als Fehler erwies. Und irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu korrigieren und zu erfinden, was zwischen den Punkten der Geschichte, die ich sicher im Kopf hatte, passierte, und hab's drangegeben...
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg, für welches Project du dich auch immer entscheiden magst!
(Und das Bild mit Luciens Bibliothek mag ich... :))) *nerd*)
no subject
Date: 2005-05-02 02:19 pm (UTC)no subject
Date: 2005-05-03 12:49 pm (UTC)no subject
Date: 2005-05-03 12:49 pm (UTC)no subject
Date: 2005-05-03 12:50 pm (UTC)no subject
Date: 2005-05-03 12:51 pm (UTC)